Kleine Marotten

Kleine Marotten

Ich gehöre ja wirklich zum klassischen Klientel der Eltern, die vor dem Baby sicher waren, dass Babys nicht so wirklich cool sind. Ein bisschen niedlich auf Distanz vielleicht, aber im Grunde ist alles bis grob zur letzten Windel und den ersten selbst gesprochenen Sätzen unnötiges Füllwerk von der Natur und kostet nur Nerven.

Dass sich das geändert hat, liegt zum einen bestimmt an den Hormonen. Was beim Elternsein hat nix mit den Hormonen zu tun? Eben. Aber ein ganz ganz entscheidender Punkt ist, dass Babys - selbst wenn sie erst einmal nur rumliegen können - wirklich sehr schnell zumindest den Eindruck erwecken, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Und bei allem was sie machen, sehen sie wirklich unglaublich putzig aus, weil man das natürlich mit Erwachsenverhalten abgleicht und Babys halt nur zu knapp 0% die Diplomatie von Erwachsenen haben.

Beim Spätzle fing das zum Beispiel schon damit an, dass es beim Vollmachen der Windeln immer eine maximal längsgestreckte Position einnahm, eisern Blickkontakt gehalten und vernehmbar laut gestöhnt hat, wenn das Geschäft erledigt war.

Und ja, das mag noch ein wenig eklig nebenher sein, aber jetzt ganz neu ist zum Beispiel, dass es beim Füttern so gut wie nie den von uns anschaut, der den Löffel gibt. Das ist wohl zu langweilig. Stattdessen sucht es den Augenkontakt mit dem anderen und lässt sich den Brei gerne schräg von der Seite in den Mund schieben.

Blickkontakt beim Füttern wird eh überbewertet! Quelle: Sash

Blickkontakt beim Füttern wird eh überbewertet! Quelle: Sash

Oder wie es damals monatelang immer die Deckenlampen angestarrt und angelacht hat. Mehr als uns Eltern eigentlich, im Grunde waren das seine engsten Freunde.

Ganz aktuell ist dann aber auch die Backpapier-Empörung. Im Gegensatz zum Beispiel zum Silvesterfeuerwerk, das wenig interessant war, hasst das Spätzle Geknister und Geraschel. Insbesondere Müllbeutel und Backpapier sind dabei die Endgegner, vor denen er aber gleich einer Katze vor dem Staubsauger nicht abhaut, sondern denen es sich wütend weinend entgegenstellt. Natürlich ist das überwiegend Angst, aber zum Ausdruck bringt er überwiegend Entrüstung und das ist sehr sehr niedlich.

Was ich eigentlich zu all jenen sagen will, die die gleiche Befürchtung haben, wie ich sie hatte: Es ist nicht so! Babys sind nicht langweilig! Ja, man muss die Zeit investieren, um sie kennenzulernen. Daran scheitert das ja insbesondere bei Männern heute immer noch vielfach, aber das ist der Schlüssel. Denn ganz ehrlich: Wir wissen auch, dass unser Spätzle nicht irgendwie ein sonderlich auffälliges Baby ist und 95% seiner Angewohnheiten merken wir als Eltern gar nicht mehr. Aber man tut den Würmern unrecht, wenn man sie vorschnell langweilig nennt, ganz ehrlich.

Baby A+++

Baby A+++